Laufzeit:

100 min/ Farbe


Produktionsjahr:

1981

Frankreich/Kanada


 

42 53296

Am Anfang war das Feuer

Der Aufbruch der Menschheit

(La guerre de feu / Quest of fire)

Vor 80.000 Jahren. Der Stamm der Ulam wird von Neandertalern überfallen und muss in die Sümpfe fliehen. Doch schlimmer als die Vertreibung und die Dezimierung ihres Stammes ist der Verlust des Feuers. Noch unfähig, das wertvolle Feuer selbst herzustellen, bedeutet ein Verlust dessen den schmachvollen Hunger- und Kältetod.
 Drei Krieger werden ausgesandt, das Feuer zurückzubringen. Auf ihrem gefahrvollen Weg begegnen sie Säbelzahntigern, Mammuts und kannibalistischen Stämmen. Als sie das Mädchen Ika aus der Hand der Menschenfresser befreien, lernen sie sogar von deren höherentwickeltem Stamm, das Feuer selbst zu entfachen.


Glen Nevis

 


 Der französische Meisterregisseur Jean-Jacques Annaud erzählt eine spannende Geschichte aus der Frühzeit der menschlichen Evolution. Ein Film, in dem nicht ein verständliches Wort gesprochen wird und doch wird Unterhaltung vom Feinsten bis zur letzten Minute geboten.


 Meilenweit von den Klischees grunzender Urzeitfilmmenschen entfernt, versucht Jean-Jacques Annaud hier einen Anspruch auf historische Wirklichkeit zu geben. Behilflich dabei waren ihm der Sprachexperte Anthony Burgess, der die Urzeitsprache entwickelte und der Verhaltensforscher Desmond Morris, der versuchte, die Körpersprache adäquat umzusetzen. So entstand ein faszinierender Einblick, wie der Aufbruch der Menschheit vielleicht tatsächlich ausgesehen haben könnte.

Preise: Oscar für Make-up und der französische Filmpreis César für Film und Regie.

 

-> Weitere Infos zum Filminhalt

-> Weitere Sachinformationen zum Thema: Frühmenschen und Feuernutzung

 


Medienpädagogische Hinweise:


Mit der Verfilmung des prähistorischen Romans von J.H. Rosny  Am Anfang war das Feuer wurde Regisseur Jean-Jacques Annaud weltweit bekannt. Der Film wurde beim Kinostart vor über 20 Jahren ab 16 Jahren freigegeben. Die vereinzelten Darstellungen archaischer Gewalt und Sexualität waren hierfür ausschlaggebend. Dank der aufwändigen Recherchen des Regisseurs entwirft der Film ein Modell vom Leben unserer Vorfahren, das in vielen Bereichen (Verhalten, Sprache) auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. So bietet sich der Einsatz dieses Spielfilms auch im Fach Geschichte (Leben in der Frühzeit) und in Deutsch (Sprache, Kommunikation) an.

Einzelne Sequenzen des Filmes sind – natürlich nach vorheriger Sichtung - auch im Primarbereich verwendbar (Sachunterricht: Leben unserer Vorfahren / Feuer).


Rudolf Schöps

 


Filmbewertung:

In Am Anfang war das Feuer  thematisiert der Regisseur Jean-Jacques Annaud die essentielle Bedeutung des Feuers für die Menschen der Urzeit in sehr gelungener und dabei unterhaltsamer Weise. Dabei ist zwangsläufig nicht alles Gezeigte bis ins letzte wissenschaftlich exakt, aber der äußerst sorgfältig inszenierte Film erfüllt seinen Anspruch vollkommen: Es gelang Annaud in Form eines spannend erzählten prähistorischen Abenteuers einem weltweiten Publikum überzeugend einen Eindruck von der Wichtigkeit des Feuers für die Urbevölkerung zu vermitteln. Er zeigt aber zugleich die unverminderte Faszination, die Flammen und Glut, als unauslöschlich eingeprägtes urzeitliches Symbol für – lebenswichtige – Wärme und Behaglichkeit, selbst heutzutage noch für uns haben.

 Bemerkenswert ist auch, dass sämtliche Dialoge in speziell entwickelten Pseudo-Ursprachen gehalten werden. Der Film zählt inzwischen wohl schon zu den Klassikern. Mich hat er bereits beim deutschen Kinostart im Jahr 1982 derart fasziniert, dass ich ihn mir innerhalb von rund acht Wochen dreimal angesehen habe. Zu den damals wie heute beeindruckendsten Szenen gehört die Begegnung der Urzeitmenschen mit den „Mammuts“ – die von raffiniert verkleideten Elefanten „dargestellt“ werden.

 Einen guten Anteil an der Wirkung des Films hat auch die archaisierend und wuchtig angelegte Filmmusik von Phillip Sarde ...


Michael Boldhaus

 

 Eine Geschichte aus der Frühzeit des Menschen, als das Feuer sein höchstes Gut war. Drei junge Männer machen sich für ihren Stamm auf die Suche nach dem Feuer, nachdem es in einem Kampf erloschen ist.

 In einer geschickten Vermischung von Spekulation, Phantasie und Fakten, ohne Worte, nur in einer fiktiven Sprache, erzählt der französische Regisseur Jean-Jacques Annaud seine episch breite Geschichte, die ihre Spannung aus dem Detail bezieht und durch bestechende Perfektion überzeugt.

Rainer Casper

 


Die Paläofiktion und der Sprachursprung  von  Prof. Dr. B. Kirstein  

 Zu Science Fiction ist Paläofiktion das diametrale literarische Gegenstück. Die eine Literatur geht weit in die Zukunft, die andere weit zurück in die vorgeschichtliche Vergangenheit. 
Hier nun geht es um die Auswertung (dt., engl., frz., ital.) belletristischer Literatur, deren Handlung unter Frühmenschen etwa zur Zeit des Sprachursprungs spielt, hinsichtlich in solch paläofiktiver Literatur möglicherweise enthaltener Modelle für das Entstehen menschlicher Sprache. 
 Als Genremerkmale der Paläofiktion können bisher gelten (1) die Darstellung von (jährlichen) Wanderungen der frühen Menschen, (2) dabei erfolgendes Stoßen auf minder oder höher entwickelte (Früh-)Menschenarten, (3) Aufflammen von Fremdenfeindlichkeit, Xenophobie, gefolgt von (4) Kampf mit den jeweils Anderen, (5) Sieg oder (allmählicher) Untergang einzelner Menschenarten wie homo sapiens sapiens vs. homo sapiens neandertalensis, (6) Jagd von und/oder Kampf mit großen Tieren (neben nomadischem Sammeln), (7) erstarrte Sozialstrukturen bei den Primitiveren vs. Durchbrechen von (z. B. für Mann und Frau festgelegten) Rollenstrukturen bei den Höherentwickelten (gegen den Widerstand der Gruppe).
 In der Vergangenheit machten es sich die Autoren paläofiktiver Literatur oft insofern einfach, als sie einleitend konstatierten, dass zur Zeit der von ihnen dargestellten Handlung noch keine voll entwickelte menschliche Sprache vorhanden war, sie aber zwecks flüssigen Erzählens ihren Protagonisten eine solche einfach in den Mund legten. Solche Texte sind für den hiesigen Forschungszweck uninteressant, es sei denn, die Autoren halten sich nicht an ihre Einleitung und formulieren nachfolgend doch noch Gedanken zum Sprachursprung. In solchen und anderen Fällen sind die Gedankensplitter zu einem Denkmodell zusammenzufügen.  

Bisher herangezogene Texte sind:

Asimov, Isaac (1958) „The Ugly Little Boy„ in Galaxy Magazine unter dem Titel „Lastborn„. Erneut 1986 veröffentlicht in The Best Science Fiction of Isaac Asimov: The Master`s Choice of His Own Favorites, Garden City, New York: Doubleday.  

Asimov, Isaac & Robert Silverberg (1991) Child of Time, London: Victor Gollancz.  

Attanasio, A. A. (1991) Hunting the Ghost Dancer, London: Grafton Books (Harper Collins).  

Auel, Jean M. (198O) The Clan of the Cave Bear, Sevenoaks, Kent: Hodder & Stoughton; London: The Chaucer Press.  

Auel, Jean M. (1982) The Valley of Horses, New York: Crown (Bantam Books).  

Boëx, Joseph Henri Honoré alias Joseph-H. Rosny (196O) La guerre du feu, Paris: Gautier & Langue-reau.    (Literarische Vorlage von Am Anfang war das Feuer)

Crace, Jim (1989) The Gift of Stones, New York: Scribner.  

Golding, William (1955) The Inheritors, London: Faber & Faber.  

London, Jack (1907) Before Adam, New York: Macmillan  

Pelot, Pierre (1990) Le rêve de Lucy, Paris: Edi-tions du Seuil.  

Stewart, Michael (1990) Birthright, London: Harper Collins.  

Thomas, Elisabeth Marshall (1988) Reindeer Moon, New York: Pocket Books.